Wechsel im Gemeinderat: Stefan Gölz folgt auf Bodo Schöllkopf

Gespeichert am Do., 13.12.2018 - 12:59 Uhr

Wir Mitglieder der Kirchheimer SPD-Fraktion erleben im Dezember 2018 die komplette Bandbreite von Freud und Leid:

Da ist zum einen die Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an unsere stellvertretende Fraktionsvorsitzende Marianne Gmelin: Diese Auszeichnung hat sie für ihr mittlerweile schon jahrzehntelanges, unermüdliches ehrenamtliches Engagement erhalten.

Voller Anerkennung sagen wir: herzlichen Glückwunsch, liebe Marianne, für diese Auszeichnung, das hast Du Dir wohl verdient und wir freuen uns sehr, Dich hier im Kirchheimer Gemeinderat in der SPD-Fraktion zu haben!

 

Das Leid folgt aber auf dem Fuße, weil unser Fraktionskollege Bodo Schöllkopf uns mit einem „Sicherheitsabstand“ von  knapp 2.000 Kilometern aus dem Urlaub mitgeteilt hat, dass er die Oberbürgermeisterin gebeten hat, aus dem Amt scheiden zu dürfen. 

Wir wissen natürlich nicht, ob Bodo zuvor analysiert hat, wie lange es denn dauern würde, bis wir zu ihm gereist wären, um ihn von seinen Plänen abzubringen.

Für die Interessierten unter uns: der Entfernungsrechner gibt an, dass z.B. mit einem Heißluftballon die Reise 39 Stunden dauern würde – eine geeignete Windrichtung vorausgesetzt – mit einem Raumschiff wären wir in 0,007 Sekunden da gewesen. Sie können sich vorstellen, dass wir eher das Raumschiff genommen hätten… 

Nun, genutzt hätte es wohl nicht wirklich. Bodo hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt, Platz zu machen für neue, frische Kräfte – während wir ihn gerne noch weiter in unserer Fraktion gesehen hätten. Aber sein Entschluss stand fest und wir, jetzt dann bald Ex-Fraktionskolleginnen und –kollegen, müssen schweren Herzens akzeptieren, dass er sich nach 14 Jahren Gemeinderatstätigkeit entschlossen hat, in seiner Freizeit andere Prioritäten zu setzen.

Vor über 14 Jahren hat Bodo ähnlich entschlossen gehandelt, als es darum ging, IN den Gemeinderat gewählt zu werden. Der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Martin Mendler hat es so treffend formuliert:

„Gleich zu Beginn seines beherzten kommunalpolitischen Engagements stellte Bodo seinen zielorientierten Ehrgeiz und seine Bereitschaft zum begrenzten Konflikt mit den örtlichen SPD-Oberen unter Beweis.“
Was war passiert: Bodo ließ bei seiner ersten Kandidatur zum Gemeinderat einen eigenen Prospekt herstellen – worüber die Wahlkampfleitung „not amused“ war, wie Martin Mendler anmerkte.

Später wurde Bodo in der SPD Kirchheim nicht nur völlig regelkonformer stellvertretender Vorsitzender, sondern gleichsam der akribisch und verlässlich arbeitende Technikdirektor! Seinem Organisationstalent ist es nämlich zu verdanken, dass auch Sie, liebe Kirchheimerinnen und Kirchheimer, jeden SPD-Prospekt pünktlich im Briefkasten fanden oder einen Wahl-Plakatständer direkt um die Ecke.

Was die Auslegung von städtischen Genehmigungen anbelangt, stellte Bodo seine Kreativität unter Beweis. Diverser, von bürokratiekritischer Hartnäckigkeit geprägter Schriftwechsel mit erregten, streng  paragraphentreuen Mitarbeitern des Ordnungsamtes füllten damals seinen Mail-Eingang!

 

Unsere Frau Oberbürgermeisterin hat in ihrer Abschiedsrede vieles über sein Wirken in seiner Zeit als Stadtrat erzählt und dargestellt, was für ein Gewinn er für die SPD-Fraktion, für den Gemeinderat im Gesamten und erst Recht als Vertreter der Kirchheimerinnen und Kirchheimer war! Auch wenn klar ist, dass sie damit auch gemeint sind, möchten wir an dieser Stelle besonders hervorheben: im besonderen Maße auch als Vertreter für die Naberner Interessen.

 

Der Kirchheimer SPD-Fraktionsvorsitzende Marc Eisenmann erinnert sich: „Ich selbst lernte Bodo im Jahre 2008 bei einer der „legendären“ Kanzelwandhaustagungen des Sports im Kleinwalstertal kennen, ich damals noch als Vertreter des VfL. Im Anschluss an die Tagung hat Bodo mich gefragt, ob ich für den Gemeinderat kandidieren möchte.

Es lag nicht ausschließlich an den gemütlichen Hüttenabenden in Riezlern – sonst wäre ich womöglich Kandidat für die Frauenliste geworden – sondern es lag an seiner freundlichen, sympathischen, lebenslustigen Art und natürlich auch an den Überzeugungen, für die er zusammen mit der SPD-Fraktion eingestanden bist, dass ich zugesagt habe.

Es sollte noch einige Jahre dauern, bis wir hier gemeinsam im Gemeinderat für unsere Themen streiten durften – ich möchte hier beispielhaft das erfolgreiche Ringen um eine Sozialbauverpflichtung erwähnen – und ehrlich gesagt, ich kann es noch nicht begreifen, dass diese Zeit nun zu Ende sein soll.“

  
Der Soziologe Max Weber stellte einst fest:

„Die Politik bedeutet ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich.“ 

Besser kann man Bodos Wirken im Kirchheimer Gemeinderat nicht zusammenfassen! Er hat in seiner Zeit als Gemeinderat viele harte Bretter gebohrt und auch einiges erreicht. Als Architekt war er bis zuletzt im Bereich der Bauleitplanung, des Bauens und des Wohnens DER Experte im technischen Ausschuss, über Fraktionsgrenzen hinweg. Seine Worte hatten Gewicht und sie wurden oftmals nicht nur gehört, sondern auch in weitere Planungen und Beschlüsse mit aufgenommen.

Durch sein Mitwirken im Gestaltungsbeirat konnte er in den vergangenen Jahren darüber hinaus an vielen wichtigen Projekten in der Stadt sein Wissen einbringen und so das zukünftige Erscheinungsbild von Kirchheim mitgestalten. Zu sehen sein wird vieles erst, wenn er nicht mehr hier im Gemeinderat vertreten sein wird, aber ob altes Hallenbadgelände, Steingauareal, BlessOF-Gelände,… die Aufzählung könnte noch weiter gehen – auch seine Ideen und Ratschläge werden hier mit umgesetzt. 

Gerade die letzten beiden Sitzungsrunden haben es noch einmal deutlich gezeigt, welche Lücke er hinterlässt: Mit Leidenschaft und Augenmaß hat er noch wichtige Impulse zu der Auslobung des Wettbewerbs für das Linde-Areal gegeben.

 

Liebe Bodo, wir SPD-Fraktionsmitglieder versprechen Dir, dass wir die von Dir angestoßenen und noch nicht abgeschlossenen Themen in Deinem Sinne weiterbearbeiten, gerade auch bei der Forderung, dass die Stadt selbst mehr Wohnungen für den sozialen Wohnungsbau bauen soll – ein Anliegen, das Du schon seit Jahren formulierst!

Eine fast ebenso große Politikerin wie er hat bei ihrem Abschied letzte Woche die Worte gewählt „es war mir eine große Freude, es war mir eine Ehre!“ – wir können für die SPD-Fraktion auch sagen, es war UNS eine große Freude, es war UNS eine Ehre, mit Bodo zusammenarbeiten zu dürfen.

 

Es gibt für uns aber auch einen Trost: wir dürfen einen tollen, neuen Kollegen in unserer Fraktion willkommen heißen: ob nun Stefan Gölz der Zweite oder doch das Original – lieber Stefan, wir heißen Dich jetzt gleich herzlich Willkommen im Kirchheimer Gemeinderat!

Lieber Bodo, wir wünschen Dir viel Glück, viel Erfolg, viel Spaß und natürlich viel Gesundheit bei den kommenden Aufgaben, die Du nun angehen willst. Ganz herzlichen Dank nochmals von uns allen – in der Hoffnung, dass wir uns bald wiedersehen und Du der SPD treu bleibst.